Specials Events 2004 Challenge Roth

Gelb gegen Blau

Die jungen Wilden

Andreas Niedrig

Traumfinale

Lothar Leder

Timo Bracht

Faris Al-Sultan

Oscar Galindez

Nicole Leder

Heike Funk - Roth 2003

Special: Quelle Challenge Roth - 2004

tri2b.com - Redaktion am 30.06.2004 - 08:00 Uhr

Schon eine schlichte Neuauflage des großen Duells wäre ja spannend genug: In einem achtstündigen Duell rang Deutschlands pluripotente Nummer eins Lothar Leder vor einem Jahr seinen Freund, den Australier Chris McCormack nieder – um schlappe drei Sekunden, in einem Endspurt, der unter die Haut ging. Kaum ein Rennen der Saison 2003 hat die Triathlon-Welt so bewegt wie der Langdistanzklassiker im fränkischen Roth. Doch in diesem Jahr wird das Rennen an der Spitze noch unberechenbarer.

Eins ist jedenfalls wie früher: Die Quelle Challenge in Roth ist das größte Rennen der Welt über diese Distanz, und die internationale Szene schaut mit größter Spannung auf das, was dort am 4. Juli passieren wird. Mehr als 3.600 Athleten aus 41 Nationen, darunter über 400 aus den großen Triathlon-Nationen Frankreich, Großbritannien, Spanien und den USA, werden sich am 4. Juli in 530 Staffeln oder als Einzelstarter der Herausforderung von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Rad fahren und 42,2 Kilometern Laufen stellen. Einer von ihnen könnte – ideale Rennbedingungen einmal vorausgesetzt – dabei die sieben Jahre alten Weltbestzeit des Belgiers Luc van Lierde (7:50:27 Std.), aufgestellt auf eben jenem Weltrekordkurs in Franken, knacken. Glaubt Chris McCormack.

Die Leder’sche Dramaturgie ignorieren
Natürlich kommt der sympathische Sportsmann nicht zum zweiten Mal aus Australien nach Roth, um anderen bei einem neuen Weltrekord zu applaudieren, sondern um selbst zu gewinnen. Wie schwer ihm der fünffache Sieger Lothar Leder diesen erneuten Anlauf machen kann, ist indes völlig offen: Acht Wochen laborierte Leder mit seiner Fußverletzung herum, vor gut zwei Wochen kam er mit einem starken dritten Platz beim Haardman über die Mitteldistanz zurück. Alles ist möglich, und keiner kennt die Strecke in Franken besser als der 33-jährige Darmstädter. Aber diesmal sind ein paar ganz unberechenbare Konkurrenten gemeldet, die sich einen Deut um die Leder’sche Dramaturgie scheren wollen, wenn man ihren eigenen Aussagen glaubt.

„Junge Wilde“ nennen die Rother den zweifachen IRONMAN-Sieger Timo Bracht und den Hawaii-Siebten Faris Al-Sultan nicht zu unrecht. Die beiden deutschen Shooting-Stars werden nicht in Ehrfurcht erstarren und schon gar nicht nach Roth kommen, um „ein wenig vom Meister zu lernen“ wie so viele vor ihnen. Der Münchner Al-Sultan könnte schon im Wasser ein Loch reißen zu Leder, McCormack und allen anderen, Bracht aus Eberbach wird es auf dem Rad versuchen. Laufen können sie beide.

Galindez’ Revanche
Möglich auch, dass sich der beste Südamerikaner Oscar Galindez bei seiner Deutschland-Premiere revanchieren will für eine Niederlage, die ihm ein Deutscher, nämlich Olaf Sabatschus, vor wenigen Wochen auf "heimischem Boden" beigebracht hat. Oder was ist mit dem Hawaii-Neunten Michael Lovato aus den USA? Der hat sich in den letzten Jahren überhaupt nicht als wild und unberechenbar erwiesen und kontinuierlich in die Weltspitze vorgearbeitet. Jede Prognose zum Männerpodium scheint gewagt.

Leder will Funks Trumpfkarte stechen
Ganz eng könnte es wieder in der Frauenkonkurrenz werden. Zwar hat die Vorjahressiegerin Nicole Leder auf dem Rad, wenn man das überhaupt so sagen darf ihre schwache Disziplin, einen Leistungssprung gemacht, gemeinsam mit ihrem Trainer Peter Sauerland. Doch scheint es, als ob die Vorjahreszweite Heike Funk diesmal ihre „Trumpfkarte Rad“ noch ganz anders ausspielen könnte, als vor einem Jahr. Vielleicht sogar in einem Zweikampf mit der Australierin Belinda Granger, statt mit einem einsamen Ritt an der Spitze.

Keine von Leders Konkurrentinnen kann der Darmstädterin allerdings im Marathon das Wasser reichen. Zwischen Funks starkem Lauf und Leders Weltklasse-Performance auf den abschließenden 42,2 Kilometern klafft ein riesiges Loch. Das Rennen um Platz eins wird also vielleicht kein Kampf Auge in Auge, sondern erneut ein „Comeback der Abgeschriebenen“. Die Zeichen stehen auf Leder, aber die sympathische 32-Jährige muss einen perfekten Tag erwischen, um ihren Titel zu verteidigen.


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